People in Malawi: The friendly service society.

(scroll for German version) ‘I’m okay, you can trust me’, said Jamal even before I had finished taking off my helmet. I had just come to a stop in front of the customs building at the border between Mozambique and Malawi and already half a dozen men had gathered round me. They all wanted to offer me a service or sell me something small, such as reflective stickers for my motorcycle or postcards. Jamal wanted to watch my motorcycle whilst I dealt with the paperwork at the customs office. ‘That’s fine’, I said, and headed off to see the officials.

The people live from hand to mouth.

This type of situation is standard in sub-Saharan Africa, yet nowhere else have I ever noticed as many small services as I have here. The reason behind it is clear: Malawi is one of the poorest countries in the world. The GDP per capita is 800 US dollars per year, which puts Malawi in fourth-last place in the world. Around half of the population lives in extreme poverty and has to get by on less than one US dollar per day. Very few have fixed employment and scrape by on jobs that spontaneously present themselves. Any job that becomes available is done. They seize every opportunity to earn their daily bread. The people here live from hand to mouth.

The people do not beg. They want to work.

Like Tom: When I arrived in a small village, he led me to the market and a bureau de change that changed money at a good rate. Or the man who helped me stand my motorcycle back up after it toppled over in a river bed. And the group of builders that pushed me through deep sand. No one ever directly asks for money. Rather, it is an unwritten rule that you pay something. 50 cents here, two dollars there. Why not?

At no point did I feel ripped off in Malawi. Everything was calm and very unobtrusive. I did not experience any begging or even theft. Not once did I spot corruption in Malawi. The way the locals offer their services fits in well with Malawi’s reputation as the warm heart of Africa.

It is never about getting rich. It is about survival.

The more time I spent travelling through this region, the more natural it became to pay a small amount for someone to, for example, watch over my motorcycle. Such an amount is symbolic for someone who can afford to travel around the world. In countries like Malawi, however, it does make a small difference. The people here are not trying to get rich. They are trying to survive.

Such was the case with Jamal, who was still standing next to my motorcycle and cleaning it with a cloth when I returned from the customs building 15 minutes later. Everything was still in its place. Job done. In Europe I would never have considered entering into this arrangement. But here in Malawi, one of the poorest countries in the world, there is no reason to think twice.

 

DEUTSCH:

Menschen in Malawi:
Die freundliche Service-Gesellschaft.

„Ich bin OK, du kannst mir vertrauen,“ sagt Jamal noch während ich meinen Helm abnehme. Gerade bin ich vor dem Zollgebäude an der Grenze zwischen Mosambik und Malawi zum Halten gekommen und schon haben sich ein halbes Dutzend Männer um mich versammelt. Jeder will mir dabei eine Dienstleistung anbieten oder etwas Kleines verkaufen, wie zum Beispiel reflektierende Aufkleber für das Motorrad oder Postkarten. Jamal will auf mein Motorrad aufpassen während ich beim Zoll den Papierkram erledige. „Geht in Ordnung,“ sage ich und mache mich auf den Weg zu den Beamten.

Die Menschen leben von der Hand in den Mund.

Diese Situation ist typisch für das Afrika südlich der Sahara. Doch nirgends sind mir diese kleinen Dienstleistungen so sehr aufgefallen wie in hier. Der Grund dafür ist klar: Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt bei 800 US Dollar pro Jahr, damit liegt Malawi auf dem viertletzten Platz weltweit. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut und muss mit weniger als einem US Dollar pro Tag auskommen. Die wenigsten haben eine feste Anstellung und schlagen sich mit spontanen Jobs durch, die sich ergeben. Es wird alles gemacht was anfällt. Jede Gelegenheit wird genutzt, um sich das tägliche Brot zu erarbeiten. Die Menschen hier leben von der Hand in den Mund.

Gebettelt wird nicht. Die Menschen wollen arbeiten.

So ist es auch bei Tom, der mich bei meiner Ankunft in einem kleinen Dorf zum Markt und zu einem Wechselbüro, das für einen guten Kurs Geld wechselt führt. Oder dem Mann der mir mir beim Aufrichten des Motorrads hilft, nachdem ich in einem Flussbett gestürzt bin. Oder der Gruppe Bauarbeiter, die mich durch ein Sandloch schiebt. Dabei wird nie direkt nach Geld gefragt. Es ist mehr ungeschriebenes Gesetz dass man etwas dafür zahlt. 50 Cent hier, zwei Dollar dort. Warum nicht?

In Malawi fühle ich mich kein einziges Mal abgezockt. Alles läuft unaufgeregt und sehr unaufdringlich ab. Betteln oder gar Diebstahl erlebe ich nicht. Ich bin in Malawi kein einziges Mal auf Korruption gestoßen. Die Art, wie die Einheimischen ihre Dienste anbieten, passt sehr gut zu Malawis Motto: Das warme Herz Afrikas.

Es geht nie darum reich zu werden. Es geht ums Überleben.

Je länger ich durch diese Region fahre, umso mehr wird es eine Selbstverständlichkeit einen kleinen Betrag dafür zu bezahlen dass jemand z.B. auf mein Motorrad aufpasst. Für einen, der sich eine Reise um die Welt leisten kann, ist dieser Betrag symbolisch. In Ländern wie Malawi macht er aber einen kleinen Unterschied. Denn die Menschen hier versuchen nicht reich zu werden. Sie versuchen zu überleben.

So ist es auch bei Jamal, der immer noch an meinem Motorrad steht und es mit einem Lappen putzt, als ich nach 15 Minuten vom Zollgebäude zurück kehre. Alles ist noch da. Job erledigt. In Europa wäre ich kaum auf die Idee gekommen dieses Geschäft einzugehen. Aber hier, in Malawi, eines der ärmsten Länder der Welt, ist es eine Selbstverständlichkeit.

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