Please meet: the good shepherd.

(by Rolf, in English and German, with photo gallery) As I wake up, I can feel the freezing air flow into my sleeping bag. It’s -5 degrees Celsius. There is no one else here and the air is deathly silent. The early morning sun shines through the narrow entrance through which I can see the broad countryside. I am lying in a yurt somewhere in Kyrgyzstan, 3,000 metres above sea level.

We were only looking for somewhere to pitch our tent.

The previous evening, when we arrived on the Son Kul Lake plateau after a long journey over the rough mountains of Kyrgyzstan, we were completely spent and decided to ask one of the local shepherds if we could pitch our tent next to his yurt. His response could have been either ‚Get out of here!‘ or ‚Yes, OK‘, but it was neither: all of a sudden we had become guests of the shepherd’s family. And we were spoiled.

In the heart of Kyrgyzstan.

Going by the materialistic standards of the West, the family of five has nothing. A roughly 15 m2 yurt is their home, a multifunctional studio flat: living room, dining room, kitchen and bedroom. The room is rearranged as necessary; the table is moved outside and blankets are rolled out at night. As there is no wood this high up, the family’s only stove burns yak manure as fuel. There are no sanitary facilities, no running or even warm water. No television and no Internet. Just one small solar panel generates enough electricity for the small LED light and the old Chinese radio. The oculus in the ceiling has the same unmistakeable shape as the emblem on the flag of Kyrgyzstan. It becomes clear to me that I have arrived in the heart of Kyrgyzstan.

We try to make it clear that we don’t need much but their hospitality cannot be refused: as we quickly warm up in the yurt, the mother serves us fried potatoes and yak meat. We are already full as she shows us freshly caught fish from the lake. One hour later we have forgotten all longing for fish on a stick from Munich’s beer gardens as we dine with the family.

We have no language in common but we don’t need one. We entertain the children with our visual dictionaries and the shepherd wonders at our motorcycles as we marvel at his horses. He proudly lists the names of Germany’s recent Federal Chancellors and inside of me I feel indescribably ridiculous because I can not even name the current president of Kyrgyzstan. As he hands me the newspaper, I see it is two weeks old. How wonderful that such things do not matter up here.

An unforgettable encounter.

In the morning, the air is clearer than I have ever known it. The three children play outside on what is probably the largest playground in the world.

Our departure becomes painful. The children don’t want it to be true as we zip up our bags, the mother packs cheese and bread for us and the father grasps our hands tightly and laughs.

As we descend further down the gravel-strewn pass from the wide, yellow Son Kul plateau, past the commercial yurts for adventure tourists, my thoughts return to what we experienced and I feel gratitude. We experienced something you cannot buy or plan: a wonderful encounter with people whom we did not expect to meet and who did not expect to meet us. An encounter I’ll never forget.

DEUTSCH:

Wir stellen vor: Der gute Hirte.

Als ich aufwache, spüre ich wie die eiskalte Luft in meinen Schlafsack zieht. Es hat -5 Grad Celsius. Es ist sonst niemand hier, und es ist totenstill. Die frühe Morgensonne scheint durch den schmalen Eingang, der mir einen Blick auf das weite Land gewährt. Ich liege in einer Jurte, auf 3000 Meter, irgendwo in Kirgistan.

Wir wollten nur einen Platz um unser Zelt aufzuschlagen.

Am Abend vorher, als wir nach einer langen Fahrt über das unwegsame Gebirge Kirgistans die Hochebene des Sees Son Kul erreichen, haben wir keine Kraft mehr und entschließen uns, einen der hier niedergelassenen Schafshirten zu fragen ob wir neben seiner Jurte unser Zelt aufschlagen dürfen. Die Antwort hätte gleichwohl „Haut ab!“ als auch „Ja, OK.“ lauten können, doch sie fiel anders aus: Mit einem Schlag sind wir Gäste der Hirtenfamilie. Und wir werden verwöhnt.

Im Herzen Kirgistans.

Die fünfköpfige Familie hat, gemessen an den materiellen Maßstäben der westlichen Welt, nichts. Eine Jurte mit ca. 15 qm ist ihr zuhause, sie ist eine multifunktionale Einzimmerwohnung: Wohnzimmer, Esszimmer, Küche und Schlafzimmer. Je nach Bedarf wird umgeräumt, der Tisch nach draußen geschafft und die Decken für die Nacht ausgerollt. Der einzige Ofen heizt mit Jackmist, hier oben gibt es kein Holz. Es gibt keine sanitären Anlagen, kein fließendes oder gar warmes Wasser. Kein Fernsehen und kein Internet. Nur eine kleine Solarzelle spendet etwas Strom für die kleine LED-Lampe und das alte chinesische Radio. Die Öffnung oben in der Mitte des Daches hat das unverkennbare Muster das heute die kirgisische Fahne ziert. Mir wird klar, ich bin im Herzen Kirgistans angekommen.

Wir versuchen klar zu machen dass wir nicht viel brauchen, doch die Gastfreundschaft lässt sich nicht mehr aufhalten: Während wir uns in der Jurte kurz aufwärmen serviert uns die Mutter gebratene Kartoffeln und Jackfleisch. Wir sind bereits satt, als sie uns die frisch gefangenen Fische aus dem See zeigt. Eine Stunde später ist jede Sehnsucht an Steckerlfisch aus den Biergärten Münchens vergessen als wir gemeinsam mit der Familie zu Abend essen.

Wir haben keine gemeinsame Sprache, doch das braucht es nicht. Mit Hilfe unserer Bilderwörterbücher begeistern wir die Kinder, und der Hirte bestaunt unsere Motorräder während wir seine Pferde bewundern. Er zählt stolz die Namen der letzten Bundeskanzler Deutschland auf, und ich komme mir unbeschreiblich lächerlich vor weil ich nicht mal den Namen des aktuellen Präsidenten Kirgistans aufsagen kann. Er reicht mir die Tageszeitung rüber, sie ist zwei Wochen alt. Wie wunderschön dass das hier oben keine Rolle spielt.

Eine unvergessliche Begegnung.

Morgens ist die Luft so klar wie ich es noch nie erlebt habe. Die drei Kinder spielen draußen, sie haben den vermutlich größten Spielplatz der Welt.

Der Abschied wird schmerzlich. Die Kinder wollen es nicht wahrhaben als wir unsere Taschen festzurren, die Mutter packt uns Käse und Brot ein, und der Vater drückt unsere Hände fest und lächelt.

Als wir den mit grobem Schotter bedeckten Pass wieder nach unten fahren, hinaus aus der weiten, gelben Ebene am Son Kul, vorbei an den kommerziell betrieben Jurten für Abenteuer-Touristen, mache ich mir gedanklich nochmal bewusst was wir erlebt haben. Etwas, das man nicht kaufen und nicht planen kann: Eine wunderbare Begegnung mit Menschen, mit denen wir nicht gerechnet haben, und die nicht mit uns gerechnet hatten. Eine Begegnung, die ich nie vergessen werde.

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