Willkommen im Dreck: Ein Tag im Enduropark Hechlingen.

Eigentlich freut man sich nicht wirklich wenn der Wetterbericht vor einer geplanten Ausfahrt strömenden Regen vorhersagt. Doch dieses Mal war das anders. Denn als Joe und ich – beide abgesehen von ein paar Feldwegen wahre Offroad-Neulinge – zum BMW Enduropark nach Hechlingen aufbrachen, empfanden wir die Vorstellung das Offroad-Training nicht nur im Dreck, sondern vielmehr im Schlamm zu verbringen, als willkommene Herausforderung. Und die war es dann auch.

BMW R 1200 GS im Enduropark Hechlingen

Wer schon einmal ein normales Fahrsicherheitstraining absolviert hat kennt bereits viele der Übungen: Blickführung, Bremsen, langsamen Fahren beim Slalom, Wenden und Kreiseln. Nur dass es hier nicht asphaltiert und trocken, sondern unbefestigt und nass ist. Und das macht die Sache zum Teil dermaßen unstabil dass man vor allem am Anfang so verkrampft als würde man zum ersten Mal Motorradfahren – man erinnert sich an die ersten Fahrstunden in der Stadt als man den Lenker mehr als Haltestange benutzte. Die Finger und Handgelenke schmerzen bereits nach wenigen Runden, das Spiel mit Kupplung und und Gas wird zum Kampf.

Alles auf Anfang?

Ja, es fühlt sich ein wenig so an als würde man Motorradfahren neu entdecken, denn man muss lang erlernte Gewohnheiten über den Haufen werfen. Es dauert ein paar Übungen, bis man die Gewichtsverlagerung verinnerlicht hat: Nicht die innere Fußraste belasten, sondern die äußere. Nicht nach innen legen, sondern nach außen. Drücken! Alles im Stehen. Und dabei ganz entspannt bleiben.

Und auf einmal läuft’s.

Mit jeder Übung klappt es besser. Wenn du dann aufgefordert wirst, das ABS abzuschalten und zum ersten Mal mit einem voll blockierenden Hinterrad über den Schotter schlitterst, stellen sich wahre Glücksgefühle ein. Du schlägst den Lenker ein, drehst dich ein paar Grad, kommst zum Stillstand um einen kurzen Moment zu schweben, und ziehst dann wieder am Gas und fährst mit durchdrehendem Reifen davon.

Und mit jeder Stunde werden die kleinen Ausfahrten durch das riesige Gelände anspruchsvoller. Aus flachen Hügeln werden steile Anstiege. Aus breiten Schotterwegen werden lehmbedeckte Pfade. Aus kleinen Pfützen werden tiefe Wassergräben. Passagen, die du am Vormittag noch gemieden hättest, sehnst du auf einmal herbei. Und mit jedem Meter wirst du besser.

Am Ende siehst du aus wie ein durchnässter Kartoffelsack. Die dichte Membran deiner Kleidung hat sich verabschiedet, dein Visier ist vollkommen von Schmutz und Wasser bedeckt, und deine Brille schreit nach Nebelscheinwerfern. Und die Schulter zieht ein wenig weil du dein Bike zweimal aus dem Schlamm heben musstest.

Und dann?

Und dann kannst du nicht mehr aufhören. Weil du tausend kleine Erfolgserlebnisse hast, hier dieses Wasserloch, hier diese Steigung, hier dieser Kiesweg. Du weichst nicht mehr aus, du fährst einfach durch. Weil du soviel gelernt hast. Weil du es auf einmal kannst, so ein bisschen.

Danke Hechlingen, wir kommen wieder. Gerne bei strömenden Regen.

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