A man’s perfect birthday dinner.

Die kulinarische Kultur der US-Amerikaner ist nicht unbedingt für ausgedehnte Restaurantabende bekannt. Neben den unzähligen Fastfood-Ketten gibt es durchaus gute Adressen. Was viele Gaststätten aber gemein haben: Es fehlt die entspannte Atmosphäre. Denn mit der Bestellung des Espressos – sofern es überhaupt einen gibt – kommt oft zeitgleich die Rechnung, und während die Bedienung die Mappe auf den Tisch legt scheint sie zwischen den Zeilen zu sagen: „You’re done eating, please leave now.“ Nordamerikaner scheinen tatsächlich den Besuch in einem Restaurant als gehobene Form der reinen Nahrungsaufnahme zu verstehen. Ist das erledigt, gibt es keinen Grund länger dort zu verweilen. Keine Spur von ausgiebigen Abendgesprächen bei einer weiteren Flasche Wein, wie es in Europa durchaus üblich ist. Weil man zum Beispiel seinen Geburtstag feiert.

Wer das nächste Mal nach San Francisco kommt und dort nach so einer Location sucht, sollte unbedingt ins Espetus gehen (1686 Market Street). Ich war zwar noch nie in Brasilien, aber so stelle ich mir eine Churrascaria, ein brasilianisches Steak House vor.

Das Prinzip ist einfach: Es gibt ein Buffet mit sehr leckeren südamerikanischen Beilagen und Salaten. Da kann man sich was holen, muss man aber nicht. Denn das wahre Highlight sind fünf Brasilianer die permanent mit übergroßen metallenen, fleischbestückten Spießen durch das Restaurant laufen und einen fragen, ob man nicht gerne ein Stück abhaben möchte. Insgesamt 14 Arten Gegrilltes waren gestern im Angebot – darunter in Knoblauch mariniertes Rindfleisch, gegrillte Shrimps, Sirloin Steaks, Filet Mignon – und man kann nehmen was man will, sooft man möchte, solange man kann. All you can eat how it’s meant to be.

Das mag klingen wie ein unbändiges Fleischgelage. Aber das Ambiente ist stilvoll, gediegen, und die Portionen sind kleiner. Und das ist genau richtig so. Denn auf die Art und Weise genießt man diesen Abend sehr lange ohne sich gleich vollzustopfen. Um den Bedienungen zu signalisieren dass man gerade keinen Bedarf hat wird lediglich ein kleines Schild von „Yes, please“ auf „No, thanks“ gestellt. Wir haben diese Anzeige den Fleischhahn getauft. Stellt man diesen wieder auf grün, kommen die Jungs auch sofort wieder angereiht an den Tisch und bieten ihre Delikatessen an. Das Espetus ist wahrscheinlich das einzige Restaurant auf der Welt bei dem nicht der Gast ansteht, sondern die Bedienungen.

Wenn man dann am späteren Abend meint, genug zu haben, den Fleischhahn längst zu gedreht hat und sich entspannt zurück lehnt kommt ein letztes Mal der Service und fragt, was einem am besten geschmeckt hat. Und ob man vielleicht nicht doch noch ein Stückchen davon haben möchte.

“Yes, please. We’re going to stay for a while. This is a man’s perfect birthday dinner.”

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