2010: Leute, fahrt Motorrad!

Eine Aufforderung eines Motorrad-Einsteigers an alle, endlich mit dem Motorradfahren zu beginnen.

Erst heute habe ich mich wieder zweimal dabei erwischt, etwas vollkommen Irrationales zu tun. Ich war unterwegs. Ich hatte ein Ziel. Aber ich bin absichtlich Umwege gefahren. Ich wollte mein Ziel nicht auf schnellstem und direktem Weg erreichen. Sondern möglichst umständlich. Hauptsache er wird dadurch länger.

Der Weg ist das Ziel.

Mit dem Motorrad brauche ich ca. drei Minuten in die Arbeit, aber bis zum ersten Termin um neun Uhr hatte ich noch 20 Minuten. Ohne auch nur einen Funken Vernunft bin ich absichtlich falsch abgebogen, und das mehrmals, nur damit mein Arbeitsweg die volle verbleibende Zeit dauert. Als ich heute Abend einkaufen wollte war es schon gar nicht mehr Thema den 100 Meter entfernten Supermarkt zu Fuß aufzusuchen. Schlimmer noch, auch der ca. 2 km entfernte Konkurrent tut es nicht mehr. Es gibt ganz wunderbare Supermärkte, ca. 30 Minuten entfernt, im Norden Münchens. Supermärkte, die man gerade noch vor Ladenschluss erreichen kann. Es klingt abgedroschen, aber es drückt an dieser Stelle einfach aus, was wahr ist: Der Weg ist das Ziel. Das ist Motorradfahren.

Der doppelte Arschtritt.

Die ganze Geschichte beginnt sehr viel früher. Jeder kennt dieses Gefühl, irgendetwas Neues tun zu wollen, in seiner Freizeit, ein neues Hobby vielleicht. Man schiebt aber die Entscheidung immer wieder ins nächste Jahr, und letztlich setzt man seinen Traum nie in die Wirklichkeit um. So war das bei mir mit dem Motorradfahren. Ich wollte den Führerschein eigentlich schon damals zeitgleich mit dem Autoschein machen – aber damals fehlte das Geld. Mehr als zehn Jahre trug ich den Gedanken mit mir rum Motorrad zu fahren, und die Motivation dafür nahm ständig ab bis er schließlich nur noch ein Gedanke von vielen zwischen all den fantastischen Freizeitmöglichkeiten war. Der Reiz blieb und schlummerte in mir.

Dann kam die entscheidende Wende, der Anstoß, der Tritt in den Hintern. Und zwar gleich zweifach.

Zunächst der Urlaub in den USA, ein Roadtrip mit meinem besten Kumpel Jochen durch den Westen. Im Auto. Er war bereits Motorradfahrer und bevor wir uns auf die Reise machten nahm er mich auf seiner Cruiser mit über die Golden Gate ins Zentrum von San Francisco. Ich als Sozius. Geht gar nicht! Also ließ er mich mal in einer abgelegenen Seitenstraße testen – und ich konnte nicht mehr aufhören. Wir haben damals vereinbart den nächsten Roadtrip ein Jahr später auf Motorrädern zu machen. Damit war klar: Mir bleiben 12 Monate um den Führerschein zu machen und ordentlich Praxiserfahrung zu sammeln, damit dieser Traum Wirklichkeit wird.

Als ich vom Urlaub zurück kehrte und wieder ins Büro ging, lang ein Pitchbriefing für BMW Motorrad auf meinem Tisch. Gearbeitet, gewonnen. Einer der bedeutendsten und größten Motorrad-Hersteller war nun mein Kunde.

Wer mehr Zeichen braucht hat es nicht anders verdient.

Kurven, Beschleunigung, Fahrtwind. Und diese Gerüche.

Führerschein gemacht. Seit dem zählt nur noch fahren.

Motorradfahren hat nichts mit Rationalität zu tun – es geht rein ums Gefühl. Motorradfahrer denken beim Fahren nicht an den Nutzen von A nach B zu kommen – Motorradfahren ist etwas vollkommen anderes als Autofahren. Es geht darum über die Straßen zu gleiten und dabei ein Gefühl des Freiseins zu verspüren. Wer einmal erlebt hat, in der Kurve zu liegen, wie es ist aus einer Kurve heraus zu beschleunigen, weiß, wovon ich rede.

Ich spüre die Gerüche die mich umgeben, ich spüre den Fahrtwind der sich mir entgegenstellt, ich spüre die niemals vorher erlebte Beschleunigung.

Nichts stört mich gedanklich beim biken, ich muss mich voll und ganz darauf konzentrieren. Ich bin King of the Road. Die neidischen Blicke der Fußgänger und Autofahrer neben mir bestätigen dies.

Motorradfahren ist Freizeit, Sport, Selbstbewusstsein. Motorradfahren ist draußen sein, Reisen, Menschen treffen, kennenlernen, Gemeinschaft & Community, Begeisterung teilen. Die Tradition des Grüßens unter Bikern zeigt dies auf herrliche Art und Weise. Motorradfahren ist ein Lebensgefühl.

Leute, fahrt Motorrad!

Wenn ihr auch nur das geringste Gefühl in euch habt, Motorradfahren könnte euch gefallen, wenn euch die Maschinen und Motoren auch nur ansatzweise begeistern, …dann kann ich euch sagen dass ihr gerade dabei seid etwas zu verpassen. Wartet nicht. Hört auf zu lamentieren. Findet keine Ausreden mehr.

Macht euren Schein und fahrt Motorrad. Ich kann euch definitiv sagen dass – sobald ihr das erste Mal auf der Straße seid – ihr euch sehr darüber ärgern werdet warum ihr das nicht schon viel früher gemacht habt. Der Ärger wird jedoch schnell der Vorfreude auf die vielen noch ungefahrenen KM weichen. Dann seid ihr infiziert.

Haltet mich für verrückt. Stimmt ja auch.

Morgen fahre ich wieder zur Arbeit. Und ich gehe ich wieder Einkaufen. Supermärkte gibt es viele. In ganz Bayern. Weit weit weg.

Auf mich warten noch jede Menge Straßen, die befahren werden wollen. Ich freue mich auf euch. Hauptsache der Weg ist lang und kurvig.

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